Hummeln im Anflug – was brummt denn da?

VonHubert

Hummeln im Anflug – was brummt denn da?

Spätestens wenn Hummeln brummend durch den Garten fliegen beginnt der Frühling. Sie gehören zu den Wildbienen, die schon sehr früh im Jahr mit dem Bestäuben der Pflanzen beginnen.

Hummel im Anflug

Viele Hummelarten sind vom Aussterben bedroht und benötigen daher auch den Schutz des Menschen.

Was du für die Hummeln tun kannst, erfährst du in diesem Beitrag ebenso wie Wissenswertes zu den verschiedenen Hummelarten, deren Fortpflanzung und Verbreitung.

Allgemeines zur Hummel

Typische Erkennungsmerkmale

Hummeln sind verwandt mit den Solitär- und Honigbienen. Zu erkennen sind sie an ihrem Körperbau, der anders als bei Bienen deutlich kräftiger ausfällt.

Hummeln sind relativ dicht behaart und haben eine kräftige Muskulatur. Hierdurch sind sie sehr gut an kalte Wetterperioden angepasst. Und diese Anpassung ermöglicht es ihnen auch an kalten Tagen für eine durchgängige Bestäubung zu sorgen, wenn andere Bienen und Insekten nicht unterwegs sind.

Die dichte Behaarung der Hummeln ist je nach Art unterschiedlich gefärbt und meist auch gestreift.

Zum Aufnehmen von Nahrung haben sie einen je nach Art und Funktion im Hummelstaat unterschiedlich lang ausfallenden Rüssel. Die Länge des Rüssels beträgt meist zwischen 10 und 14 Millimeter.

Hinzu kommen noch zwei Fühler, transparente Flügel, Facettenaugen sowie sechs Beine.

Die Königinnen der Hummeln sind am größten, Arbeiterinnen und Drohnen etwas kleiner.

Lebensweise und Vorkommen

Zu den am häufigsten in Deutschland vorkommenden Hummeln gehören die dunkle Erdhummel, Ackerhummel, Steinhummel und die Gartenhummel.

Insgesamt sind es 36 Arten, wobei mittlerweile fast die Hälfte auf der Liste der bedrohten Arten steht.

Besonders viele Hummelarten gibt es in Asien und Europa, meist leben sie bevorzugt in gemäßigten bis kühlen Regionen.

Gut zu wissen: Hummeln stehen ebenso wie (generell) Wildbienen und Hornissen in Deutschland unter Naturschutz.

Nestbau / Hummelbau

Hummeln leben je nach Art ganz unterschiedlich. Einige Arten werden als Kuckucks-Hummeln bezeichnet, weil sie ihren Nachwuchs in fremden Hummelnestern unterbringen. Die vorhandenen Eier werden aufgefressen, um so den eigenen Nachwuchs vom heimischen Hummelvolk großziehen zu lassen.

Andere Hummelarten bauen eigene Nester, zum Beispiel in Erdlöchern, Steinspalten oder Baumhöhlen. Auch Totholzhaufen sind geeignet. Manchmal versuchen sie auch, sich in der Isolierung von Häusern niederzulassen.

Hummel in ihrem Element

Bei den Hummeln überleben nur die Königinnen den Winter. Jede Hummelkönigin geht im Frühling auf die Suche nach einem geeigneten Platz, um dort ein neues Volk zu gründen.

Um ihre ersten Eier im Nest ablegen zu können, sammelt die Hummelkönigin zunächst Pollen und Nektar. Diese dienen als Basis zum Bau der Wachswaben, die später für die Eiablage genutzt werden. Nach der Eiablage und dem Schlüpfen der ersten Tiere übernehmen diese die weitere Arbeit. Während dieser Arbeitsphase dient der selbst erzeugte Honig als Nahrungsquelle für alle Arbeiterhummeln und für die schlüpfenden Hummellarven.

Im Hummelbau sind die Zellen aus Wachs typischerweise in Gruppen angeordnet und zu Haufen gestapelt. Für mehr Wärme in den Zellen sorgt eine umgebende Schicht aus Moos und Gras. Zusätzlich kommt um das Nest oft noch eine weitere Wachsschicht, damit im Bau die optimale Wärme von 30 bis 33 °C gehalten werden kann und die Brutpflege nicht durch Kälteeinbrüche gefährdet wird. Die Schutzmaßnahmen werden von den Arbeiterinnen regelmäßig erneuert.

Fortpflanzung und Wachstum

Die Hummellarven wachsen nach der Eiablage in einem Zeitraum von etwa zehn Tagen heran und werden konstant durch die Öffnungen der Brutzellen gefüttert. Anschließend verpuppen sie sich. Weitere zehn Tage später schlüpfen bereits die fertigen Hummeln. Zunächst sind neu geschlüpfte Tiere ausschließlich Arbeiterinnen.

Die Königin legt oft mehrmals neue Eier ab, um für genügend Nachwuchs zu sorgen. Die Arbeiterinnen unterstützen sie bei der Larvenfütterung und gehen dazu auch außerhalb des Nestes auf Futtersuche. Die Königin verbleibt nun im Nest und wird von den Arbeiterinnen versorgt.

Männliche Tiere, auch Drohnen genannt, werden zum Schluss erzeugt. Diese verlassen nach kurzer Zeit das Nest, um sich mit den Jungköniginnen zu paaren. Die Drohnen sterben im Herbst, während die Jungköniginnen bis zu Frühjahr überwintern, um einen eigenen Hummelstaat zu gründen. Das ursprüngliche Nest stirbt im Herbst aus.

Schon gewusst? Die eigentliche Paarung zwischen Drohnen und Jungköniginnen findet je nach Art ganz unterschiedlich statt. Die Männchen werden zum Beispiel von Pheromonen der Jungköniginnen oder dem Geruch der Nester angezogen.

Nahrung und Verhalten

Als Nahrungsgrundlage dienen nektarspendende Blüten. Auch Blütenpollen werden zum Teil gefressen, um Energiereserven aufzubauen. Bei der Nahrungssuche legen sie ganz unterschiedliche Distanzen zurück, abhängig von der Hummelart. Diese Distanzen betragen meist zwischen 200 Meter bis weit über 1000 Meter. Große Hummeln legen zur Nahrungssuche größere Distanzen zurück als kleine Artgenossen.

Hummel Erdhummel

Die Futtersuche ist dabei sehr umfangreich. Einige Arten sind am Tag bis zu 18 Stunden unterwegs, weshalb sie auch als Bestäuber eine so große Rolle für viele Obst- und Gemüsearten spielen. Selbst schlechtes Wetter hält sie nicht von der stetigen Suche nach Futterquellen ab.

Bei der Nahrungsaufnahme können Hummeln mit einem langen Saugrüssel auch die tiefen Blüten aussaugen. Hummeln, die einen eher kurzen Rüssel haben, beißen oft in die Blüten, um an den Nektar heranzukommen. Der Pollen wird dagegen zu Pollenpaketen geformt und über die behaarten Hinterbeine zum Nest transportiert.

Um untereinander zu kommunizieren, praktizieren Hummeln anders als Honigbienen keinen Tanz. Sie kommunizieren mit chemischen Signalen und Duftstoffen, um über potenzielle Nahrungsquellen bzw. Blüten in der Umgebung zu berichten.

Welchen Nutzen haben Hummeln für Mensch und Natur?

Hummeln sind sehr wichtig für die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Sie fliegen auch bei niedrigen Temperaturen aus, da sie gegen Kälte gut gerüstet sind.

Für ein intaktes Ökosystem und die Bestäubung der Pflanzenwelt sind sie daher von immens großer Bedeutung.

Können Hummeln stechen?

Hummel tankt nach

Ja, Hummeln können stechen, da sie mit einem kleinen Wehrstachel ausgestattet sind. Allerdings haben nur die Arbeiterinnen einen Stachel. Zudem sind sie generell sehr friedliche Tiere, die von sich aus nie zustechen. Es sei denn, sie werden aus Versehen eingeklemmt oder du trittst auf sie.

Kommt es zu einem Stich, verbleibt der Stachel nicht in der Haut, sondern wird wieder herausgezogen. Das eingespritzte Gift kann dabei recht schmerzhaft sein und zu Schwellungen und Jucken führen.

Tipp: Bevor Hummeln zustechen, warnen sie dich. Dabei heben sie ihre Beine oder werfen sich laut brummend auf den Rücken. Wenn du allergisch gegen Bienen- und Hornissengift bist, kann auch das Gift der Hummel zu einer Reaktion bis hin zum Schock führen.

Die häufigsten Bedrohungen für die Hummel

Andere (bestimmte) Hummeln und Bienen

Es gibt einige Arten, die ihren Nachwuchs in bestehende Hummelnester zur Aufzucht legen, zum Beispiel die sogenannten Kuckuckshummeln. Die Wollbiene geht dagegen bei der Verteidigung ihres Reviers sehr rabiat zur Sache und kann dabei auch Hummeln Schaden zufügen.

Wachsmotte und Bienenameise

Die Wachsmotte ist in der Lage, ganze Hummelvölker zu zerstören, denn sie legt ihre Eier bevorzugt in Hummelnester. Die Larven der Wachsmotte fressen dann nach dem Schlüpfen sämtliche Waben inklusive der darin lebenden Hummellarven auf, sodass das gesamte Hummelvolk stirbt.

Die Bienenameise legt ihre Eier ebenfalls in Hummelnestern ab und schädigt das Hummelvolk.

Hummelsterben wegen Nahrungsmangel

Aufgrund von Nahrungsmangel sterben nicht nur Bienen, auch Hummeln sind vom allgemeinen Insektensterben betroffen. Die Verknappung der Nahrung liegt an dem immer weniger werdenden Pflanzenangebot.

Haupttreiber für die verringerte Vielfalt und die Menge des Pflanzenangebots ist die intensive Landwirtschaft. Doch auch überpflegte Gärten mit einer geringen Pflanzenvielfalt bzw. mit Pflanzen, mit denen Hummeln nichts anfangen können, tragen hierzu bei.

Pflanzenschutzmittel können Hummeln in ihrem Bestand ebenfalls schaden, auch bestimmte Viren tragen zu einer Schädigung der Bestände bei.


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So kannst du Hummeln helfen

Hummelkasten

Naturbelassene Flächen, in denen sich Hummeln niederlassen können, sind leider inzwischen ebenso rar geworden wie das Nahrungsangebot. Einfache und schnelle Hilfe für Hummeln ist das Bereitstellen von Nisthilfen, Hummelkasten oder Hummelhotel genannt.

Selber bauen ist nicht allzu schwer. Die beiden nachfolgenden Varianten sind vom NDR sehr schön bebildert und beschrieben worden.

Die einfache Variante

Nimm einen großen Blumentopf (mit Loch im Boden), fülle ihn mit Moos und stelle ihn umgedreht auf gehäckseltes Holz. Obendrauf legst du links und rechts vom Loch zwei kurze Latten, darauf ein Brett. Dies schützt die Hummeln vor Regen und dient ihnen als Einflugschneise.

Die aufwändigere Variante

Für einen etwas größeren Hummelkasten benötigst du:

  • Holzkiste mit mindestens 20 Zentimeter Seitenlänge
  • Pappkarton mit mindestens 20 Zentimeter Seitenlänge
  • Pappröhre (z.B. von Haushaltsrolle)
  • Hobelspäne
  • trockenes Moos
  • Heu
  • Holzleisten.

Zuerst bohrst du mit einem 30-Millimeter Forstner-Bohrer das Einflugloch mittig in die Front der Holzkiste.

Nun kommt der Karton in die Holzkiste, mit Holzleisten zwischen den Böden zum Abstandhalten.

Schneide das Einflugloch nun auch in den Karton und stecke die Pappröhre durch.

Als unterste Schicht kommt gehäckseltes Holz in den Karton. Darauf legst du das Moos. Forme einen kleinen Gang als Verlängerung der Einlaufröhre und eine etwa apfelgroße Nistmulde. Zum Abschluss kommt das Heu als Abdeckung oben drauf.

Den Deckel der Kiste vorher ggf. noch wasserdicht machen mit Dachpappe. Deckel drauf, mit Stein beschweren, fast fertig.

Nun schraubst du noch ein kleines Stück Holzleiste direkt unterhalb des Einfluglochs als Landeplatz. Fertig ist die Hummelkiste.

Die Kiste stellst du am besten auf Holzlatten oder Ziegelsteine, damit es auch von unten trocken bleibt.

Du kannst den Hummelkasten mehrere Jahre einsetzen. Allerdings musst du ihn nach jeder Saison gut reinigen, damit wieder neue Tiere einziehen.

Hummelköniginnen helfen

Hast du im Garten eine Jungkönigin gefunden, die nach einem langen Winter deutlich geschwächt wirkt? Mit etwas Zuckerwasser hilfst du ihr, den Energievorrat wieder aufzufüllen.

Anschließend kannst du sie in die Nähe deines Hummelkastens bringen. Vielleicht nutzt sie diese Hilfe zum Aufbau ihres neuen Staates, sobald sie wieder zu Kräften gekommen ist. 

Garten strukturreich gestalten

Damit sich Hummeln bei dir im Garten wohlfühlen, muss das Nahrungsangebot stimmen. Viele verschiedene Pflanzen und eine wilde Gestaltung des Gartens sind ideal, wenn sich viele Insekten bei dir heimisch fühlen sollen.

Hummel im Anflug

Wichtig ist, dass du möglichst viele unterschiedliche heimische Pflanzen anlegst. Sträucher, Hecken, wilde Wiesen und Blumen sind ideale Nahrungsquellen für viele Hummelarten, die ständig auf der Suche nach Pollen und Nektar sind.

Insektizide und chemische Düngemittel dürfen in deinem Garten nicht zum Einsatz kommen, da sie Hummeln und anderen Insekten schaden. Bio-Düngemittel und natürliche Schädlingsbekämpfer sind alternativ zu empfehlen.

Achte beim Bepflanzen des Gartens auch darauf, dass du einen guten Mix aus früh und spät blühenden Pflanzen wählst. So versorgst du die Hummeln von Frühling bis Herbst mit Nahrungsquellen.

Folgende Pflanzen sind zum Beispiel eine gute Mischung für den Garten, für Blumenbeete oder den Balkon.

  • Klatschmohn
  • Rotklee
  • Kornblume
  • Johanniskraut
  • Weiße Taubnessel
  • Hornklee
  • Wiesensalbei
  • Weißdorn
  • Johannisbeere
  • Moos

Wichtig: Mähe deinen Rasen nur selten. Am besten auch nicht alles auf einmal, sondern immer nur einen Teil, während du den anderen Teil wild weiterwachsen lässt

Aufklärung und Naturschutzarbeit

Es bessert sich langsam, doch generell wissen immer noch zu wenig Landwirte und Gärtner um die Bedeutung eines vielfältigen Pflanzenangebots für Hummeln, Bienen und andere Insekten.

Wenn du dich allein oder als Mitglied eines Naturschutzvereins aktiv für die Information und Aufklärung der Bevölkerung sowie Landwirte einsetzt, kannst du viel erreichen. Überzeuge sie vom Erhalt wild bewachsener Feldränder und dem Verzicht auf zu häufiges Abmähen.

Auch Wegränder in Parkanlagen und an Radfahrwegen müssen nicht unbedingt immer sehr kurz abgemäht werden. Denn wild wachsende Wiesen bieten ein großes Nahrungsangebot für zahlreiche Insektenarten. So kann zum Beispiel der Bestand von Sandhummeln durch naturbelassene Gebiete gestärkt werden.

Hummeln in deiner Nähe

Welche Tipps hast du für den aktiven Hummelschutz? Hast du schon mal ein Hummelvolk in deinem Garten beherbergt? Was hast du dabei beobachtet? Ich freue mich auf dein Feedback.

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Über den Autor

Hubert author

2 Kommentare bisher

karsten birkEingestellt am9:18 am - Mrz 16, 2021

Wieder ein sehr toller und kurzweiliger Bericht, der mir auch wieder bei meinen Enkeln hilft, als der allwissende Opa da zu stehen :-).
Vielen Dank für die Arbeit!

    HubertEingestellt am11:04 pm - Mrz 16, 2021

    danke, und gerne doch. Den Kindern von all den großen und kleinen Tieren im Garten und Wald was mitzugeben, und seien es nur Bruchstücke, ist eine große Freude. Viel Spaß mit den Enkeln!

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