Sind Hornissen gefährlich? Tipps und Wissenswertes

VonHubert

Sind Hornissen gefährlich? Tipps und Wissenswertes

Sind Hornissen wirklich so gefährlich, wie oftmals vermutet wird? Nein, keineswegs. Wer nicht in Panik gerät und den Tieren nicht zu nahe kommt, hat dabei kaum etwas zu befürchten.

Hornisse auf Obst

Wie reagiere ich beim Kontakt mit Hornissen richtig? Wie kann ich das Überleben der Hornissen aktiv unterstützen und ihnen helfen? Die Antworten hierzu findest du in diesem Beitrag, wie auch allgemeine Fakten und Informationen zur Hornisse.

Allgemeines zur Hornisse

Die Hornisse gehört zur Familie der Faltenwespen und ist in Mitteleuropa die größte Art. In Deutschland ist nur eine Art heimisch: die Vespa crabro.

Typische Erkennungsmerkmale

Hornissen lassen sich leicht an ihrer Größe erkennen. Im Vergleich zu Wespen sind Hornissen deutlich größer.

Auch in der Färbung unterscheiden sie sich, da sie anders als Wespen nicht komplett gelb-schwarz gestreift sind. Hornissen haben meist einen schwarzen Rumpf und Kopf, die mit braunroten oder roten Streifen versehen sind.

Die Größenunterschiede hängen von ihrer Funktion im Hornissennest ab. Während die Hornissenkönigin eine stattliche Größe von bis zu 35 Millimetern hat, bringt es eine Drohne nur auf maximal 25 Millimeter und eine Arbeiterhornisse auf maximal 28 Millimeter.

Fortpflanzung und Verhalten

Hornissen legen ähnlich wie viele Bienen und Wespen große Nester für ein ganzes Volk an. Dabei ist das Volk mit 500 bis 700 Tieren im August bis September am größten.

Je nachdem, welche Eier die Königin legt, schlüpfen daraus neue Arbeiterinnen, Drohnen oder Jungköniginnen. Drohnen und Jungköniginnen paaren sich im Herbst in der Nähe des Nestes. Anschließend suchen sich die Jungköniginnen einen Unterschlupf, um den Winter darin zu verbringen. Bis zum Frühling ruhen sie darin, bevor sie ausfliegen und einen neuen Hornissenstaat gründen.

Hornissennest am Baum

Das Hornissennest ist optisch sehr auffällig und an den waagerecht angelegten Wabentellern zu erkennen. Diese werden von einer braunen Hülle umgeben, die an braunes Papiermaterial erinnert. Der Ausgang befindet sich dabei auf der Unterseite des Nestes. Bevorzugt bauen Hornissen ihre Nester an Bäumen, in alten Scheunen oder auf Dachböden. Auch Hohlräume wie Rollladenkästen werden gelegentlich für den Bau ausgewählt.

Die im Juli zuerst geschlüpften Arbeiterinnen übernehmen die Aufgaben der Königin. Sie bauen das Nest weiter aus und sorgen für Nahrung, während sich die Königin zurückzieht und sich nur noch um die Produktion des Nachwuchses kümmert.

Mitte September hat das Nest dann eine Höhe von bis zu 60 Zentimetern erreicht. Ebenso lebt zu diesem Zeitpunkt die maximale Anzahl an Tieren im Hornissenvolk. Von nun an wird die Königin nicht mehr versorgt und stirbt. Anfang November sterben die letzte Arbeiterhornissen, sodass das Nest dann komplett leer ist.

Lebensdauer der Hornisse:

  • Königin: 1 Jahr
  • Arbeiterin: maximal 4 Wochen
  • Drohne: maximal 2 Monate

Die Hornisse ist streng geschützt

Der Bestand an Hornissen nimmt immer weiter ab. Sie stehen unter Schutz und dürfen nicht „einfach so“ umgesiedelt oder getötet werden.

Hast du ein Nest in deinem Garten oder am Haus gefunden und bist besorgt um deine Sicherheit?

Eine Umsiedelung des Nestes ist möglich, sollte aber möglichst vermieden werden. Lediglich in der Nähe von Kinderspielplätzen, in Kitas und auch Schulhöfen wird die Umsiedelung empfohlen, da Kinder oft nicht den nötigen Abstand zu den Tieren wahren. Die Umsiedelung eines Hornissennestes wird von Spezialisten durchgeführt, die hierfür speziell ausgebildet sind.

Wichtig: Ein Hornissennest darf nur bei einem bestehenden Sicherheitsrisiko und mit der Genehmigung einer Naturschutzbehörde beseitigt bzw. umgesiedelt werden.

Welchen Nutzen haben Hornissen für Mensch und Natur?

Hornissen sind ebenso nützlich für die Natur wie zahlreiche andere Insekten.

Eine der Hauptaufgaben der Hornissen ist das Kleinhalten der Anzahl an Schädlingen in ihrer Umgebung. Das heißt, anders formuliert: die Hornissen verspeisen viele Schädlinge. Besonders beliebt auf dem Speiseplan sind:

  • Fliegen (alle möglichen Arten, d.h. Stubenfliegen, Schmeißfliegen, usw.)
  • Bremsen
  • Wespen
  • Bienen (eher selten).
Hornisse

Ca. 90% der Beute machen Fliegen und Bremsen aus, danach größtenteils Wespen und nur gelegentlich Bienen und Hummeln. Wenn du Wespen von deiner Terrasse fernhalten willst, um in Ruhe draußen essen zu können, so ist ein Hornissennest in der Nähe eine gute Idee. Hornissen interessieren sich nicht wirklich für zuckerhaltige Speisen.

Ein Hornissenvolk verspeist bis zu 500 Gramm Insekten pro Tag, wobei vor allem die Larven hiermit versorgt werden.

Erwachsene Tiere ernähren sich zudem von kohlenhydratreichen Baumsäften, Blütennektar und süßem Obst bzw. Fallobst.

Wie gefährlich ist ein Stich der Hornisse?

Ein Hornissenstich ist nicht giftiger als ein Stich einer Wespe oder Biene, auch wenn viele Menschen das aufgrund der Größe der Tiere annehmen. Der Stich an sich ist nicht gefährlich, allerdings fühlt er sich oft etwas schmerzhafter an. Dies liegt vermutlich an dem etwas größeren Stachel der Hornisse – und weil wir die Gefahr aufgrund ihrer Größe als „größere Gefahr“ wahrnehmen.

Wer allergisch ist, kann allerdings auch beim Stich einer Hornisse Unverträglichkeiten bis hin zum allergischen Schock zeigen. Auch ein direkter Stich in den Rachen oder in die Zunge, wie es oft beim Verschlucken während des Trinkens passiert, kann lebensgefährlich werden. Denn schwellen Zunge und Rachen deutlich an, besteht akute Erstickungsgefahr.

Gut zu wissen: Hornissen stechen nur, wenn sie geärgert werden. Wenn du ihnen nicht zu nahe kommst und auch nicht versuchst, sie zu verscheuchen oder gar nach ihnen schlägst, sind sie relativ harmlose Insekten. 

Die häufigsten Bedrohungen für Hornissen

Es gibt viele Gründe, warum es immer weniger Hornissen gibt. Die häufigsten findest du hier kurz zusammengefasst.

Vorurteile aufgrund von Unwissenheit

Viele Menschen haben große Vorurteile gegenüber Hornissen, was jedoch meist auf Unwissenheit beruht. Sie töten Hornissen aus Angst vor einem Stich. Diese Angst entsteht wohl vor allem durch ihre Größe, denn im Vergleich zur Wespe ist sie zwei- bis dreimal größer.

Das Vorurteil, dass viele Hornissenstiche auf einmal einen Mensch töten können, hängt leider immer noch in vielen Köpfen fest. Oft wird dies einer Hornisse unberechtigterweise zum Verhängnis. Darauf basierend werden gefundene Nester zerstört oder die Tiere werden mit anderen Mitteln bekämpft.

Oftmals wissen Menschen auch gar nicht, dass die Hornisse streng geschützt ist und ihr kein Schaden zugefügt werden darf.

Landwirtschaft und Schädlingsbekämpfungsmittel

Die konventionelle Landwirtschaft arbeitet oft mit Schädlingsbekämpfungsmitteln. Diese nehmen Hornissen über die Nahrung mit auf, was zu einer Dezimierung des Bestands sowie zu Krankheiten und Unfruchtbarkeit führen kann. 

Schwindende Lebensräume

Viele Felder mit Monokulturen, akkurat gepflegte Parkanlagen ohne Wildwuchs, Gärten mit kurzem Rasen, allgemein weniger blühende Pflanzen. Dies alles sorgt dafür, dass Hornissen und andere Insekten weniger Nahrung und geeignete Lebensräume finden.

Klimawandel

Durch die ansteigenden Temperaturen fühlen sich auch nicht einheimische Arten immer wohler in Europa. Zum Beispiel die asiatische Hornisse, die in Deutschland bereits gesichtet wurde.

Immer mildere Winter, verursacht durch den Klimawandel, erleichtern ihnen die weitere Ausbreitung und das Überleben bei uns. Dies erschwert es den heimischen Hornissen, sich zu behaupten und in ausreichender Population überlebensfähig zu bleiben.


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So kannst du den Hornissen helfen

Du möchtest dieser faszinierenden Tierart eine Chance geben und ihr beim Überleben helfen? Hier findest du verschiedene Maßnahmen.

Vorurteile abbauen

Wer über die Hornisse genau Bescheid weiß, hat keine Angst mehr vor den Tieren. In der Folge werden Hornissen und Nester auch nicht das Opfer von Zerstörung und impulsivem Töten aus Angst vor einem Stich.

Wichtig dafür ist die Aufklärungsarbeit der Bevölkerung, dank der immer mehr Menschen zum Verhalten von Hornissen und über den richtigen Umgang mit ihnen informiert werden.

Naturschutzvereine wie zum Beispiel der NABU betreiben hier aktiv Aufklärungsarbeit. Du kannst als Mitglied oder auch in eigenem Interesse Menschen in der Umgebung über die Tierart aufklären.

Der richtige Umgang mit Hornissen

Wenn dir Hornissen begegnen, ist das richtige Verhalten wichtig. Auf folgende Punkte solltest du dabei achten, damit sich die Hornisse nicht bedroht oder verfolgt fühlt. Diese Regeln sind auch im

Umgang mit Wespen und Bienen zu empfehlen.

  • vermeide heftige und schnelle Bewegungen, auch Wegpusten mögen die Tiere nicht
  • gehe nicht zu nah an das Hornissennest heran, mindestens 5 Meter Abstand sollten es sein
  • hast du ein Nest im Garten, sorgt ein Absperrband dafür, dass niemand in die Nähe geht
  • auch der Rasenmäher hat in der Nähe des Nests nichts zu suchen
  • vermeide jede Berührung des Hornissennestes
  • beobachte den Verlauf der Flugbahn und stelle keine Hindernisse in den Weg
  • mit Fliegengittern an den Fenstern verhinderst du ein Eindringen der Tiere in die Wohnung
  • laufe nicht barfuß durch den Garten, wenn viel Fallobst auf dem Rasen liegt
  • befindet sich eine Hornisse in der Wohnung, öffnest du am besten alle Fenster, damit sie von selbst herausfindet; schalte dabei alle Lichter aus, da sie sich von Licht angezogen fühlt.

Gut zu wissen: Im Spätherbst sterben bis auf die Königin alle Tiere und das Nest kann gefahrlos entfernt werden.

Nisthilfen für Hornissen bauen

Um den Hornissen zu helfen, kannst du ihnen Quartiere in speziellen Nistkästen anbieten. Damit vermeidest du, dass sie an ungünstigen Plätzen wie im Rollladenkasten oder in der Nähe des Kinderzimmers und an ähnlich ungünstigen Plätzen ihr Nest aufbauen. Indem du ihnen eine Nisthilfe anbietest, unterstützt du die Tiere, hältst sie aber gleichzeitig etwas entfernt vom Haus.

Hornissennest Hornissenkasten selbst bauen

Ein Hornissenkasten ist speziell für die Tierart gestaltet und kann fertig gekauft oder auch von dir selbst gebaut werden. Damit lässt sich auch eine Umsiedelung des Hornissenstaates leichter umsetzen als bei einem echten Nest, das vielleicht an einer ungünstigen Stelle angebracht ist.

Ein Hornissenkasten hat idealerweise die Maße von etwa  65 x 25 x 25 Zentimetern. Ungehobelte Fichtenbretter bieten innen eine raue Oberfläche, die der Hornisse beim Aufbau der Waben helfen. Für die Stärke der Bretter wählst du am besten etwa zwei bis drei Zentimeter aus. Lasse unten am Kasten eine Öffnung, aus der tote Hornissen, aber auch Exkremente herausfallen können.

Hornissen richtig umsiedeln

In manchen Fällen ist eine Umsiedelung die einzige Lösung, zum Beispiel wenn die Hornissen im Kindergarten ihr Nest gebaut haben und Kleinkinder häufig in dessen Nähe gelangen.

Die unmittelbare Gefährdung ermöglicht eine Ausnahmegenehmigung zur Entfernung. Diese Ausnahmegenehmigung erteilt dir das für dich zuständige Umweltamt bzw. die Naturschutzbehörde.

Der Antrag wird meist genehmigt, sobald sich ein Fachmann die Lage und die Aktivitäten des Hornissennestes angeschaut hat. Gibt er sein OK, folgt die Genehmigung.

Anschließend kommt ein Imker, die Feuerwehr oder ein Kammerjäger zur Umsiedelung infrage.

Was kostet eine solche Beantragung und Umsiedelung? Je nach Stadt und Bundesland unterschiedlich, rechne jedoch mit ca. 150-300 EUR.

Das ist übrigens deutlich weniger als das mögliche Bußgeld bei einer Entfernung oder Umsiedelung eines Hornissennestes ohne Genehmigung. Wirst du erwischt, kommen hier schnell mehrere (zehn-) tausend Euro zusammen.

Somit: Hornissen umsiedeln oder töten nur mit Genehmigung und vom Fachmann!

Naturnahen Garten gestalten

Gestalte deinen Garten möglichst strukturreich und naturnah. Verzichte auf Insektizide und chemische Düngemittel.

Viele verschiedene Pflanzen, Sträucher und Hecken bieten Insekten und Kleintieren einen vielseitigen Lebensraum. Auch Hornissen finden hier mehr Nahrung als in einem zu sehr gepflegten Garten mit kurzem Rasen und perfekt geschnittenen Hecken.

Pflanze zudem bevorzugt heimische Pflanzenarten, da diese den Hornissen zusätzlich als gute Nahrungsquelle dienen. Stauden, Berberitzen und Obstbäume sind bei Hornissen zum Beispiel sehr beliebt. Alter Baumbestand, vielleicht mit großen Baumhöhlen, ist für die Tiere ebenfalls interessant.

Hornissen in deiner Nähe

Welche Tipps hast du zum Umgang mit Hornissen? Hast du selbst schon mal ein Nest in deinem Garten oder am Haus gehabt? Was hast du dabei beobachtet?

Ich freue mich auf dein Feedback als Kommentar.

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Hubert author

2 Kommentare bisher

RitaEingestellt am1:13 pm - Nov 27, 2020

Hallo Active Outside-Team,
bei uns im Pfarrgarten hinter der Kirche ist eine Rasenfläche mit Nußbäumen und u.a. liegt da auch ein Baumstamm, damit Kinder darauf klettern können. Mein Mann mäht diesen Rasen. Vor ein paar Jahren hatten sich Hornissen in diesem Baumstamm niedergelassen. Durch das Rasenmähen wurden sie ganz wild und fielen über meinen Mann her. Er hatte mindestens 14 Stiche und war daraufhin 2 Std. in der Arztpraxis. Hat Infussionen bekommen. Gott sei Dank hat er alles heil überstanden. Die Freiwillige Feuerwehr von unserem Ort hat sich um die Hornissen gekümmert, damit keine Kinder zu Schaden kommen. Im Sommer des Jahres der wildgewordenen Hornissen wurde der Platz komplett gesperrt. Im Jahr darauf waren die Hornissen anscheinend weiter gezogen. Dass mein Mann nicht unbedingt gut auf die Hornissen zu sprechen ist, ist auch zu verstehen.

    HubertEingestellt am9:49 am - Nov 28, 2020

    Hallo Rita,
    ein Rasenmäher mit seinem Lärm und den Vibrationen lässt Hornissen in der Tat ihr Nest verteidigen, vor allem wenn sehr nah an ihrem Nest gemäht wird (was bei einem am Boden liegenden Baumstamm wohl der Fall war). Mit Wespen wäre das sicherlich auch passiert, evtl. mit sogar noch mehr Stichen. Aber gut zu hören, dass alles wieder in Ordnung ist.
    Viele Grüße

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