Igel schützen und helfen – Wissenswertes und Tipps

Igel schützen und helfen – Wissenswertes und Tipps

Wie du Igel schützen und ihnen helfen kannst, darauf gehe ich ausführlich im Laufe des Artikels ein. Zunächst ein bisschen (wichtiges und interessantes) Hintergrundwissen.

Igel unterwegs (Bild von Alexas_Fotos bei Pixabay)

Ob Schrebergarten, der Garten am eigenen Haus oder in Parkanlagen – Igel sind gerne in der Nähe des Menschen auf der Suche nach Futter und einem geeigneten Winterquartier. Zwar sind sie nicht akut gefährdet, gehören aber nach dem Bundesnaturschutzgesetz dennoch zu den geschützten Wildtierarten.

Igel gelten als Nützlinge und haben damit einen nicht zu unterschätzenden Wert für die Natur. Auch für andere Tiere sowie den Menschen sind sie wertvoll. Aufgrund ihres süßen Äußeren wollen viele Menschen dem possierlichen Tierchen durch den Winter helfen. Ob verletzter, hungriger oder ein Winterquartier suchender Igel – nicht nur für Gartenbesitzer sind einige Maßnahmen zum Igel schützen sehr einfach umsetzbar.

Allgemeines zum Igel

Typische Erkennungsmerkmale

Der Igel hat eine kompakte Körperform sowie eine spitze und rüsselförmige Nase. Zu den wichtigsten Erkennungsmerkmalen zählen die zahlreichen Stacheln mit scharfer Spitze. Je nach Größe besitzt er davon zwischen 5.000 bis 8.000 Stück. Weiches Fell ist an Bauch und Füßen sowie am Hals und Kopf zu finden.

Ist der männliche Igel ausgewachsen, erreicht er eine Länge von etwa 30 Zentimetern und wiegt circa 1.200 Gramm. Die weiblichen Artgenossen fallen etwas kleiner und leichter aus.

Wie pflanzt sich der Igel fort?

Igel werden nach etwa sechs bis zwölf Monaten geschlechtsreif und paaren sich von April bis August ein- oder zweimal. Die Schwangerschaftsdauer beträgt etwa 40 Tage. Vier bis sechs noch blinde Igelbabys kommen dabei pro Wurf zur Welt.

Igelfamilie (Bild von Gerhard G bei Pixabay)

Anfangs haben die Kleinen noch ganz weiche Stacheln, um die Mutter bei der Geburt nicht zu verletzen. Drei Wochen später beginnt der Umstieg auf feste Nahrung, bereits nach sechs Wochen geht jedes Tier seinen eigenen Weg. Die meisten Igel werden durchschnittlich vier bis fünf Jahre alt.

2 Igel-Gattungen und deren Vorkommen

Igel kommen weltweit vor. In Europa sind vorrangig Braunbrustigel und Weißbrustigel anzutreffen. Der Braunbrustigel dabei eher in Mittel- und Westeuropa, der Weißbrustigel eher im östlichen Mitteleuropa. Weltweit gibt es insgesamt 26 Arten, wobei zwischen Tieren mit (Stacheligel) und ohne Stacheln (Rattenigel) unterschieden wird.

Welches Verhalten ist typisch für den Igel?

Der Igel ist ein Einzelgänger und nachtaktiv. Er bewegt sich relativ langsam, kann aber in einer Nacht auf Futtersuche durchaus bis zu 4.000 Meter zurücklegen. Er kann schlecht klettern und auch nicht springen.

Seine Nahrung sucht er vorrangig auf dem Erdboden, zum Teil legt er sich dafür eigene Trampelpfade in dichten Gebüschen an. Der Stacheligel schläft im eigens angelegten Bau, oft in geschützter Vegetation. Der Rattenigel hingegen schläft gerne in Erdlöchern, Baumwurzeln oder zwischen Felsspalten.

Ist der Igel entspannt, liegen die Stacheln eng am Körper an. Bei drohender Gefahr stellt er diese auf, indem er seine Rückenmuskulatur zusammenzieht.

Igel können sehr gut hören und riechen, allerdings nur eingeschränkt sehen. Aus diesem Grund hört man ihn auch häufig laut schnaufen – das dient der besseren Aufnahme von Geruchsnoten der Umgebung.

Wo ist der Igel typischerweise anzutreffen?

Der Igel hält sich bevorzugt an dicht bewachsenen Orten auf. Sträucher und Hecken in Gärten, aber auch Parkanlagen sind bei den Tieren ebenso beliebt wie ungemähte Wegränder an Feldern und Wäldern.

Igel kommt aus dem Igelhaus (Bild von Capri23auto bei Pixabay)

Hat er erst einmal ein geeignetes Revier gefunden, bleibt er oft sein Leben lang dort. Sobald die Dämmerung hereinbricht, kann der Mensch ihn mit etwas Glück auf seinem Weg zur Futtersuche beobachten. Der Igel bevorzugt dabei abwechslungsreiches Terrain mit Wiesen und dicht bewachsenem Gelände, um möglichst viele Nahrungsquellen zu erschließen.

Der Igel macht jedes Jahr Winterschlaf

Von April/Mai bis Ende Oktober/Anfang November ist der Igel aktiv unterwegs. Mit Beginn des Herbstes frisst er sich Winterspeck als Kälteschutz und Nahrungsvorrat von mehr als 500 Gramm an. Das Nest für den Winterschlaf ist deutlich versteckter und stabiler als seine Sommernester, um ihn vor der Kälte zu isolieren. Laub- oder Komposthaufen sind dabei besonders beliebt.

Seine Körpertemperatur sinkt im Winterschlaf von 35°C auf 6°C. Die Herzschläge reduzieren sich von 280 auf 18 Herzschläge pro Minute und die Atemfrequenz von 20 auf fünf pro Minute. Sobald die Außentemperaturen über 10 Grad steigen, beendet der Igel seinen Winterschlaf. Er geht dann auf Futter- und Partnersuche.

Zu seinen Lieblingsspeisen gehören vor allem Insekten

Igel sind hauptsächlich Insektenfresser, verspeisen aber zwischendurch auch Aas, Eier oder Fallobst.

Das steht vorrangig auf seinem Speiseplan:

  • Käfer und Käferlarven
  • Würmer (z. B. Regenwürmer, Ohrwürmer)
  • Raupen
  • Schmetterlingslarven
  • Spinnen
  • Wurzeln und Früchte
  • Manchmal kleine Mäuse

Welchen Nutzen hat der Igel für Mensch und Natur?

Igel sind sehr nützlich für die Natur, aber auch Menschen profitieren von dem putzigen Insektenfresser. Er vertilgt eine Vielzahl an Insekten und reguliert so die Artenvielfalt auf ganz natürliche Weise. Gartenbesitzer profitieren ebenfalls von seinem Hunger. Denn er macht sich bevorzugt über unbeliebte Insekten her, die sich oft an Blumen, Gemüse und Salat zu schaffen machen. Wer also einen natürlichen Insektenvernichter sucht, sollte sich seinen Garten igelfreundlich umgestalten.

Igelhaeuser von Laub bedeckt (Bild von Alexas_Fotos bei Pixabay)

Der Igel hält den Garten in Ordnung und ist dank seiner Nachtaktivität auch ein sehr unauffälliger Bewohner. Als Nützling vertilgt er zum Beispiel die von Gärtnern so gefürchteten Nacktschnecken und Eulenfalterraupen. Der ebenfalls sehr nützliche Marienkäfer steht dagegen nicht auf seinem Speiseplan.

Achtung: Mit einem Igel im Garten lässt sich dieser zwar sehr natürlich regulieren.

Der Igel steht jedoch unter Naturschutz, darf also nicht gefangen und im eigenen Garten ausgesetzt werden.

Kommt er aber freiwillig zu Besuch, wird er in einer sicheren und igelfreundlichen Umgebung sicher gerne länger bleiben. Wenn Menschen den Igeln helfen, einen geeigneten Lebensraum zu finden, wird er auch langfristig bleiben.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf den Igel?

Auch Igel leiden unter den Folgen des Klimawandels. Denn dieser stört den Winterschlaf der Tiere und immer häufiger muss der Mensch den Igeln helfen. Da die Winter seit einigen Jahren immer milder werden, sind die für den Winterschlaf nötigen Temperaturen häufig nicht mehr durchgehend gegeben. Das hat zur Folge, dass der Igel seinen Winterschlaf häufiger unterbricht.

Auch Forscher haben bereits festgestellt, dass Igel immer früher aus dem Winterschlaf aufwachen und diesen teilweise schon Ende Januar beenden, wie zum Beispiel im Jahr 2008. Zu dieser Jahreszeit gibt es aber gar nicht genug Futter, sodass die wachen Igel zu verhungern drohen. Kommt dann gar der nächste Kälteeinbruch, erfrieren alle Tiere, die nicht rechtzeitig in den Winterschlaf zurückgefunden haben. 

Igel schützen – in diesen Situationen muss der Mensch den Igeln helfen

Der Igel ist ein Wildtier, das heute mit allerlei Gefahren konfrontiert wird. Vielbefahrene Straßen, landwirtschaftliche Maschinen und auch Rasenmäher sowie Pools und andere Hindernisse sind typische Gefahrenquellen. Ein gesunder Igel braucht in der Regel keine menschliche Unterstützung. Gerät er allerdings in Gefahr oder ist verletzt, kann diese Hilfe lebensrettend sein.

Nicht alle hilfsbedürftigen Igel müssen in der Igelstation abgegeben werden. Leichte Fälle können vom Mensch auch selbst versorgt werden. Ist das Tier verletzt oder deutlich erkrankt, ist der Gang zum Tierarzt jedoch unverzichtbar. Sobald der Igel wieder gesund ist, muss er in die Wildnis entlassen werden. Er gehört keinesfalls ins Haus und ist als Haustier auch denkbar ungeeignet.

Tipp: Wer sich unsicher ist, ob ein Igel Hilfe braucht, kann sich beim Verein „Pro Igel“, bei einem Tierschutzverein oder einer Igelstation zum Thema Igel schützen und helfen beraten lassen.

An den folgenden Merkmalen ist ein in Not geratener Igel zu erkennen:

  • Verletzungen (z.B. offene, eitrige Wunden)
  • apathisch wirkende Tiere, die tagsüber zu sehen sind und sich kaum bewegen
  • deutliche Unterernährung: seine Form ähnelt dann aufgrund eingefallener Flanken eher einer länglichen Wurst; ein wohlgenährter Igel wirkt dagegen drall und eher birnenförmig
  • verwaiste Igelsäuglinge (zu erkennen an den weichen Stacheln und geschlossenen Augen)
  • sehr kleine Igel, die auch im November noch deutlich unter 500 Gramm wiegen (diese Tiere kommen ohne Hilfe meist nicht über den Winter)
  • Igel, die im Dezember bis März bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius draußen unterwegs sind, haben kein Winterschlafquartier gefunden.

Ein Igel im Winter ist nicht immer ein Anlass zur Sorge

Ist der Winter sehr mild, kann der Igel aus dem Winterschlaf aufwachen und auf Futtersuche gehen. Temperaturen über zehn Grad sind für das Tier kein Problem, sodass man sich zumindest zum Ende des Winters keine Sorgen mehr um angetroffene Tiere machen muss.

Wacht der Igel mehrmals im Winter auf, verbraucht er allerdings viel zusätzliche Energie. Hilfreich ist in diesen Fällen ein zusätzliches Futterangebot, da in der Natur im Winter kaum etwas zu finden ist. Wirkt der Igel fit und aktiv, kann er auch wieder in sein Winterquartier zurückkehren, sobald die Temperaturen sinken.

Wirken im Winter aufgewachte Igel krank oder sehr schwach, benötigen Sie weitere Hilfe des Menschen und müssen eventuell auch in einem menschlichen Quartier (z. B. Igelstation) überwintern.

So kann der Mensch den Igeln helfen

Der Mensch kann den in Not geratenen Igeln helfen oder sie in einer Igelstation abgeben. Oftmals braucht er lediglich etwas Unterstützung. Dies kann zum Beispiel bei der Futteraufnahme oder auch für die Suche nach einem geeigneten Winterquartier sein.

Es gibt zahlreiche Maßnahmen, die dem Igel das Leben erleichtern. Einige Beispiele:

  • nachts sollte man vorsichtig und möglichst langsam fahren (Auto und auch Fahrrad), denn die meisten Igel werden bei der Überquerung von Straßen überfahren
  • der Pool im Garten, aber auch offene Kellerschächte und Baugruben werden dem Igel schnell zum Verhängnis; eine Abdeckung schützt ihn vor dem Hineinfallen; eine Alternative ist ein Brett, das als Ausstiegsrampe dient und den Igel schützen kann
  • bevor der Rasenmäher zum Einsatz kommt, ist das Absuchen des hohen Grases nach Igeln und anderen Kleintieren wichtig
  • Mähroboter stellen nicht nur für Igel eine akute Verletzungsgefahr dar
  • wer einen Laub- oder Komposthaufen im Garten hat, sollte diesen nach Oktober nicht mehr bewegen; es könnte sich darin ein Igel zum Winterschlaf niedergelassen haben
  • Laubsauger sind tabu! Durch diese werden nicht nur Igelbabys verletzt, sondern auch viele Insekten eingesaugt
  • volle Mülltüten, zum Beispiel gelbe Säcke, sollten nachts nicht rausgestellt werden; es könnte sich ein Igel darin verfangen, der auf Futtersuche ist
  • auch Mäuse- und Rattenfallen sind für den Igel gefährlich
  • eine Kontrolle der Gartenabfälle ist wichtig, bevor man mit der Heugabel hineinsticht und sie entsorgt
  • Schneckenkorn und Chemikalien vermeiden, die giftig für Igel sind
  • Keller- und Schuppentüren möglichst geschlossen halten, damit kein Igel aus Versehen darin eingesperrt wird
  • unterernährte Igel zufüttern: Dafür gibt es im Tierfachhandel spezielles Igelfutter (z. B. Trockenfutter, Igel-Pastete), das viele Nährstoffe enthält
  • frisches Wasser ist ebenso hilfreich, allerdings niemals Milch! Der Igel verträgt diese nicht und kann davon schweren Durchfall bekommen oder im schlimmsten Fall sterben
  • einen igelfreundlichen Garten anlegen.

Noch mehr Tipps zum Igel schützen – so sieht ein igelfreundlicher Garten aus

Wer sich den Igel in seinem Garten als dauerhaften Gast wünscht, sollte diesen so igelfreundlich wie möglich gestalten. Mit etwas Geduld wird er sich dann irgendwann blicken lassen und eventuell sogar dauerhaft einziehen.

Igelhaus in der Gartenecke (Bild von Alexas_Fotos bei Pixabay)

Folgende Maßnahmen sind hilfreich, wenn der Igel zum Dauerbewohner im Garten werden soll:

  • viele Versteck- und Nistmöglichkeiten anbieten (z. B. Hecken, Gebüsche, Komposthaufen)
  • auch Hohlräume in Holzstößen, liegengelassene Laubhaufen oder ein selbst gebautes Igelhäuschen mit Laubfüllung sind ideale Unterkünfte; Laubhaufen sind mit dicken Ästen und einer Plane vor der Witterung optimal geschützt; sehr große Laubhaufen bieten die beste Isolation im Winter
  • eine naturnahe Gartengestaltung mit einheimischen Pflanzen hilft dem Igel, den passenden Unterschlupf und ausreichend Nahrung zu finden; wilde Ecken, in denen alles durcheinander wächst, dienen dem Igel als optimale Versteckmöglichkeiten und Lebensraum für zahlreiche Insekten; auch passendes Nistmaterial für einen Schlafplatz gibt eine vielseitige und wilde Bepflanzung her
  • der Rasen sollte nicht ganz kurz gemäht und möglichst in einem Bereich auch ganz sich selbst überlassen werden
  • wichtig ist auch der Verzicht auf chemische Dünger!
  • damit der Igel überhaupt in den Garten findet und auch zur Futtersuche leicht wieder herauskommt, muss der Zaun für ihn durchlässig sein; Löcher unten am Zaun bieten dafür passende Ein- und Ausgänge.

Der Igel in deiner Nähe

Hast du weitere Tipps, um Igeln zu helfen und sie zu schützen?

Lebt ein Igel in deinem Garten? Was sind deine Erfahrungen?

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