Fledermaus schützen – so kannst du helfen

Fledermaus schützen – so kannst du helfen

Du interessierst dich für die faszinierende Welt der Fledermäuse? Wie du die Fledermaus schützen und ihr in ihrer natürlichen Umgebung helfen kannst, wird im folgenden Beitrag konkreter beschrieben. Zunächst erfährst du hier einige Fakten und interessantes Hintergrundwissen zur Fledermaus allgemein und deren Verhaltensweisen.

Fledermaus Mutter und Junges

Fledermäuse gelten leider weltweit als vom Aussterben bedrohte Tierart. Auch in Deutschland stehen sehr viele Arten auf der Roten Liste. Die Lebensräume der Fledermaus überschneiden sich häufig mit denen der Menschen. Ob auf dem Dachboden, in Baumhöhlen oder Mauernischen – die kleinen Säugetiere suchen sich gerne ein Sommer- und Winterquartier in der Nähe menschlicher Behausungen.

Auch wenn die Tiere nicht bei allen beliebt sind, lohnt es sich, die Fledermaus zu schützen. Denn als Insektenfresser spielen sie eine wichtige Rolle in der Natur.

Typische Erkennungsmerkmale der Fledermäuse

Die Fledermaus ist je nach Art zwischen drei und 14 Zentimeter groß und wiegt bis zu 200 Gramm. Die deutschen Arten erreichen allerdings kaum über fünf Zentimeter Körperlänge bei einem Maximalgewicht von 40 Gramm – wobei sie durch ihre Flügelspannweite insgesamt deutlich größer wirken. Das dichte, seidige Fell hat eine grau-braune bis schwärzliche Färbung, wobei der Bauch meist etwas heller als der Rest ist. Ganz typisch ist das Gebiss mit stark ausgeprägten Eckzähnen, die bei der Jagd hilfreich sind.

Besonders auffällig sind die verlängerten Fingerknochen. Zwischen denen spannt sich die Flughaut bis zum Hals und den Hinterbeinen sowie zum Schwanz. Dank dieser Haut und des geringen Körpergewichts gelingen den Fledermäusen bei der Beutejagd auch rasante Flugmanöver.

Wie pflanzt sich die Fledermaus fort?

Die Fledermaus hat Katzen, Greifvögel und Marder als natürliche Feinde. Fällt sie diesen nicht zum Opfer, kann sie eine Lebensdauer zwischen  zehn und 30 Jahren erreichen.

Das Fledermausweibchen paart sich in der Regel mit mehreren Männchen. Dafür weckt ein Männchen die Auserwählte mit einem Nackenbiss extra aus dem Winterschlaf.

Das Besonders daran ist, dass die Eizelle des Weibchens erst gegen Ende des Winterschlafes befruchtet wird, wenn es langsam wärmer wird. Bei den Europäischen Fledermäusen geschieht das circa Ende März.

Die Weibchen bringen dann nach einer Tragezeit von maximal 70 Tagen jeweils nur ein Junges zur Welt. Die Aufzucht erfolgt in sogenannten Wochenstuben. Hier werden die Jungtiere bis zu acht Wochen lang gesäugt, bevor Sie fliegen lernen und auf Insekten umsteigen.

Fledermaus-Gattungen und deren Vorkommen

Fledermäuse bilden gemeinsam mit den Flughunden die Gruppe der Fledertiere. Circa 100 verschiedene Arten sind weltweit bekannt, etwa 40 davon leben in Europa. Außer in der Antarktis und auf einigen abgelegenen Inseln sind sie heute fast überall zu finden.

Fledermaus schläft

Zu den häufigsten Gattungen zählen die Mausohren-Fledermäuse, die Glattnasen-Freischwänze sowie die Bulldoggfledermäuse. Am größten ist die Australische Gespenstfledermaus, die eine beeindruckende Flügelspannweite von 60 Zentimetern und eine Körperlänge von 14 Zentimetern vorzuweisen hat. Als kleinste Art gilt mit nur drei Zentimetern Körperlänge und einem Gewicht von zwei Gramm die Hummelfledermaus (Schweinsnasenfledermaus).

Welches Verhalten ist typisch für die Fledermaus?

Der bevorzugte Lebensraum der Fledermäuse ist die Luft, denn die ganze Nacht jagen und fressen sie fliegend Insekten. Tagsüber schlafen sie bevorzugt in Höhlen und Felsspalten oder in Menschennähe auch gerne auf Dachböden und im Keller. Grundsätzlich schläft die Fledermaus kopfüber hängend, indem Sie sich mit ihren Fußkrallen an einer geeigneten Stelle festhält. Die Krallen krümmen sich durch ihr Körpergewicht ganz automatisch, sodass sie kaum herunterfallen kann.

viele Fledermäuse an einem Schlafplatz

Die Fledermaus hält Winterschlaf, nachdem sie sich ausreichend Fettreserven angefressen hat. Aktiv wird sie meist Ende März/Anfang April und zieht dann in ihr Sommerquartier um. Im Winterschlaf drosseln Fledermäuse ihren Stoffwechsel herunter, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Anders als andere Tiere im Winterschlaf, wacht die Fledermaus regelmäßig auf, um Wetter und Quartier zu überprüfen.

Wo ist die Fledermaus typischerweise anzutreffen?

Fledermäuse leben je nach Art in unterschiedlichen Regionen. Einige bevorzugen kühle Wälder, andere wiederum eher Heidelandschaften oder Gegenden mit vielen Seen. Wichtig sind ein ausreichendes Nahrungsangebot sowie Sommer- und Winterquartiere in der Nähe.

Auch in Menschennähe halten sie sich gerne auf. Zum Beispiel in Parkanlagen und Gärten, wo man sie oft nach Einbruch der Dunkelheit beim Insektenfangen beobachten kann.

Die Fledermaus orientiert sich per Echolot

Die Fledermaus kann nicht besonders gut sehen, dafür aber umso besser hören. Sie ist in der Lage, auch bei völliger Dunkelheit zu jagen, indem Sie Ultraschallwellen ausstößt und deren Reflexionen zur Orientierung nutzt. Dieses Echoortungssystem ist für den Menschen nicht hörbar. Es lässt die Fledermaus aber genau erkennen, wo sich die Beute sowie Hindernisse in der Umgebung befinden.

Die Fledermaus liebt Insekten

Am liebsten verspeist die Fledermaus Insekten aller Art. Zum Beispiel Käfer, Heuschrecken, Fliegen und Nachtfalter. Größere fleischfressende Fledermausarten vertilgen auch gerne mal kleinere Artgenossen.

Welchen Nutzen hat die Fledermaus für Mensch und Natur?

Fledermäuse spielen eine wichtige Rolle für die Umwelt und ein funktionierendes Ökosystem. Denn sie fressen nicht nur eine Vielzahl an Insekten, was deren Vorkommen natürlich begrenzt. Sie bestäuben außerdem Blüten von Pflanzen und helfen bei der Verbreitung von Samen. Der Mensch profitiert ebenfalls von der Fledermaus, denn sie fängt Unmengen an lästigen Insekten aus dem Garten.

Fledermäuse als Krankheitsüberträger

Nicht erst seit Corona (SARS-CoV-2) wird die Übertragung von Krankheiten durch Fledermäuse thematisiert. Auch vorher gab es schon wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die Fledermaus bestimmte Krankheiten verbreiten kann.

Zum Beispiel die Fledermaustollwut. Daran erkrankte Tiere liegen oft flugunfähig und apathisch am Boden, wirken orientierungslos und beißen um sich. Keinesfalls sollte man daher mit bloßen Händen Fledermäusen helfen, sondern immer bissfeste Handschuhe verwenden.

Fledermaus

Angst vor einem Biss braucht der Mensch dennoch nicht haben, da die Fledermaus von sich aus nie einen Menschen angreifen würde. Freigänger-Katzen, die nachts gerne auf Jagd gehen, sind jedoch gefährdet und nur durch ein Impfung geschützt.

Fledermaus schützen – denn es drohen viele Gefahren

Fledermäuse sind vielen Gefahren ausgesetzt. Hier sind die häufigsten davon näher beschrieben.

  • Vertrieben durch Unwissen: Bei Menschen sind sie oft nicht sonderlich beliebt. Viele fürchten sich als Folge von Vampir-Mythen sogar vor den angeblich menschenblutsaugenden Tieren. Deshalb werden sie häufig aus Unwissen von Dachböden oder Hauswänden vertrieben, obwohl sie keinerlei Schaden am Mauerwerk oder an den Isolierungen anrichten.
  • Lebensräume schwinden: Ein weiteres Problem ist die Zerstörung der Lebensräume durch den Mensch. Wälder werden abgeholzt und alte Gemäuer inklusive Schlupflöchern entfernt oder verschlossen, die sonst als Übernachtungsmöglichkeiten dienen.
  • Windkraftanlagen: Windkraftanlagen sind gefährlich für viele Tiere. Kommt die Fledermaus einer zu nahe, können multiple Organschäden die Folge sein.
  • Landwirtschaft: In der intensiven Landwirtschaft kommen Insektizide und Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. In der Folge finden Fledermäuse weniger Nahrung, die Population geht zurück. Auch Vergiftungen durch das Fressen von mit Insektengift verseuchten Tieren sind keine Seltenheit.
  • Klimawandel: Fledermäuse gehören ohnehin schon länger zu den bedrohten Arten. Auch der Klimawandel macht ihnen durch die steigenden Temperaturen mehr und mehr zu schaffen. Sie finden nicht rechtzeitig in den Winterschlaf oder können diesen nicht wie gewohnt beenden. Andauernde Hitzewellen im Sommer machen ihnen zusätzlich das Überleben schwer, weil sie es oft nicht mehr bis zur nächsten Wasserstelle schaffen. Oft verdursten dann die noch säugenden Mütter sowie deren Nachwuchs.

So kannst du die Fledermaus schützen und ihr Überleben sichern

Möchtest du die Fledermaus schützen, um ihre Überlebenschancen zu verbessern? Ist ein Tier in deiner Wohnung gelandet oder hast du gar eine verletzte Fledermaus gefunden? Die folgenden Maßnahmen sind zu empfehlen, wenn du aktiv Fledermäusen helfen willst.

Fledermaus in der Wohnung?

Auf der Suche nach einem Unterschlupf verirren sich Fledermäuse immer wieder mal in Häuser und Wohnungen. Das ist kein Grund zur Panik! Oft verkriechen sie sich hinter Vorhängen oder versuchen, durch Umherfliegen den Ausgang zu finden.

Am besten verschließt du alle Türen von anderen Räumen, machst alle Lichter aus und lässt mehrere Fenster weit geöffnet, um ihr das Herausfliegen zu erleichtern. Aber bitte nicht tagsüber, sondern erst abends mit einsetzender Dämmerung. Bis dahin kannst du sie einfach in Ruhe schlafen lassen. Hast du dicke und bissfeste Handschuhe, kannst du sie auch einfangen und am Fenster aussetzen.

Achtung: Kommt es häufiger vor, dass Fledermäuse bei dir in der Wohnung landen, könnte ein Nest ganz in der Nähe sein. In diesem Fall helfen einfache Fliegenschutzgitter, um die Fledermäuse am Eindringen zu hindern.

Fledermäuse auf dem Dachboden oder im Keller?

Fledermäuse suchen sich für ihr Sommer- oder Winterquartier gerne Dachböden, Hausverkleidungen oder Fensterläden sowie generell alte Gemäuer wie Ställe und Scheunen. Da solche Quartiere immer seltener werden, kannst du sie auch auf deinem Dachboden oder im Keller wohnen lassen. Sorge allerdings dafür, dass sie jederzeit ungehindert hinein- und herausfliegen können.

Auch Kotansammlungen der Tiere solltest du regelmäßig entfernen. Warte damit aber bis nach Einbruch der Dämmerung, wenn die meisten Tiere draußen unterwegs sind.

Aus dem Winterschlaf aufgewacht?

Manchmal wachen Fledermäuse aus dem Winterschlaf auf, finden dann aber keine Nahrung. Du kannst hungrigen Fledermäusen helfen, indem du sie mit Fliegen oder Motten aus der Tierhandlung fütterst. Das wird allerdings nur erfahrenen Fledermausliebhabern empfohlen.

Tipp: Eine gute Hilfe ist auch der örtliche Naturschutzbund, der oft eine Hotline für solche Fälle anbietet. Auch das NABU-Fledermaustelefon gibt unter der Nummer 030-284984-5000 bundesweit Auskunft über das richtige Vorgehen, wenn eine Fledermaus Hilfe braucht.

Gestalte dein Grundstück fledermausfreundlich

Stehen alte Bäume in deinem Garten? Perfekt, lass einfach den gesamten Baumbestand so wie er ist. Denn alte Baumhöhlen bieten Fledermäusen den idealen Unterschlupf bei jeder Witterung.

Hast du ein größeres Grundstück mit Garage, Schuppen oder sogar einer Scheune, die du selten oder gar nicht nutzt? Auch damit kannst du die Fledermaus schützen. Denn Fledermäuse überwintern darin ungestört, wenn du ihnen einen sicheren Zugang ermöglichst.

Fledermaus schützen und verunglückten Fledermäusen helfen

Eine Fledermaus ist abgestürzt, weil es ihr unter dem Dachstuhl zu heiß wurde? Vielleicht hat sie sich bei einem Flugmanöver verletzt oder es handelt es sich um ein Jungtier, das noch gar nicht fliegen kann. Mit den richtigen 1. Hilfe-Maßnahmen versorgst du sie, bis sie wieder alleine zurechtkommt.

Etwas Wasser aus einer Pipette oder von einem kleinen Löffel trinkt die Fledermaus oft bereitwillig. Sind auf den ersten Blick Brüche oder offene Wunden zu sehen, ist die Fledermaus sofort ein Fall für den Tierarzt. Transportiere sie in einer gut verschlossenen Schachtel, da sie durch kleinste Löcher entkommen kann.

Erwachsene Tiere

Hast du eine erwachsene Fledermaus gefunden, solltest du sie zunächst an ein sicheres, kühles Plätzchen bringen. Gut geeignet ist ein Karton, den du mit einem Tuch abdeckst.

Setze die Fledermaus abends in der Dämmerung nach draußen etwas erhöht aus, zum Beispiel auf einem Baum oder einer rauen Wand. Warte ab, ob sie von alleine abfliegt. Ist das nicht der Fall, ist das Tier eventuell verletzt und kann deshalb nicht fliegen.

Jungtiere

Ganz junge Fledermäuse können noch nicht fliegen. Sie haben entweder gar kein Fell oder nur einen leichten Flaum. Geh auf die Suche nach ihrem Quartier, um sie möglichst direkt dorthin zu bringen. Meist ist das Quartier nicht weit vom Fundort entfernt.

Findest du kein Quartier, kannst du das Tier auch selber versorgen. Für Jungtiere eignet sich Milch speziell für Katzen- und Hundewelpen. Mit einem Pinsel gelingt das Füttern in der Regel gut. Ältere Tiere mögen frische oder tote Fliegen sowie Motten. Auch Mehlwürmer werden nach anfänglicher Gewöhnung gegessen.

Die Fledermaus in deiner Nähe

Kennst du noch andere Tipps, die Fledermäuse schützen und ihnen beim Überleben helfen?

Oder hast du vielleicht schon ein paar Tiere in deinem Garten entdeckt? Was genau hast du beobachtet?

Ich freue mich auf dein Feedback als Kommentar.